Über uns

Die Stiftung Deutsche Sprache und ihr HDS

Eine Bürgerinitiative – ihre Ziele, Mittel und Träger

Die Stiftung und ihr Haus der deutschen Sprache

Logo Stiftung Deutsche SpracheDie Stiftung Deutsche Sprache wurde 2001 gegründet. Ihr Ziel ist es, die deutsche Sprache für die heutigen und kommenden Generationen als ein Kulturgut von höchstem Wert, als Ausdruck ihrer Identität, als vollwertiges Mittel der Verständigung im Alltag, als Medium der Forschung, des Denkens, des gesellschaftlichen Diskurses unbeschädigt zu erhalten, zu stärken und für neue Aufgaben tauglich zu machen. Ihrem Vorstand und Beirat gehören Professoren verschiedener Fachrichtungen an, Vertreter der Wirtschaft, Juristen, Kulturschaffende und Politiker.


Die Stiftung will alle Bestrebungen fördern, die der deutschen Sprache dienen, insbesondere solche, die ihren Schutz zum Ziel haben. Sie wendet sich gegen die schädlichen Einflüsse, die manche Massenmedien, die Werbung und manche Prominente durch liederliches, falsches, unverständliches Deutsch auf unsere Sprache ausüben. Sie setzt sich für eine gründliche sprachliche Erziehung der jungen Generation und der Zugewanderten ein.
Die Stiftung will und kann keine Konkurrenz zur universitären Sprachwissenschaft, zu Akademien, wissenschaftlichen Instituten oder anderen kulturpolitischen Einrichtungen der öffentlichen Hand sein. Sie wird aber deren Arbeit, wo dies sinnvoll ist, unterstützen und sich bemühen, die Ergebnisse solcher Arbeit für ihre eigenen Ziele zu nutzen. Sie will die Dokumentation, Analyse und Entwicklung des Wortschatzes und der Grammatik des Deutschen fördern.
Das Haus der deutschen Sprache
HDS LogoDamit dies alles zur Verbesserung und vernünftigen Weiterentwicklung des tatsächlich gehörten und gelesenen, gesprochenen und geschriebenen Deutsch dienen kann, bedarf es eines Forums, auf dem die an ihrer deutschen Muttersprache oder an Deutsch als Fremdsprache Interessierten zueinander finden, voneinander lernen, miteinander diskutieren, wo sie einander verstehen lernen und helfen können.
Als ein solches Forum hat die Stiftung im Januar 2007 das Haus der deutschen Sprache (HDS) eingerichtet. Bis das Stiftungsvermögen den Bezug eines eigenen Gebäudes mit Besucher-, Ausstellungs- und Bibliotheksräumen, mit multimedialer Technik und eigenem Personal erlaubt, nimmt das HDS seine Aufgaben als “virtuelles” Haus im Netz wahr. Durch einen Telephon-, Telefax- und e-Postdienst steht es der Öffentlichkeit zur Beratung in praktischen Fragen des sprachlichen Alltags zur Verfügung. Es geht auch Hinweisen auf besonders ärgerliche Fälle falschen, liederlichen, miss- oder unverständlichen Sprachgebrauchs im Verwaltungshandeln nach, in der Produktauszeichnung, im Verkehr, beim Verbraucherschutz, in den Medien und bei der Werbung und bemüht sich um Abhilfe.

Später
sollen in den Räumen des HDS für die Einwohner und Besucher Berlins, für Schulklassen, Vereine und dergleichen Ausstellungen zur Geschichte, zur internationalen Verbreitung, zu den Dialekten der deutschen Sprache veranstaltet werden. Auch die Entwicklung und der jeweils neueste Stand sprachrelevanter Technik sind als Gegenstand von Sonder- oder Dauerausstellungen vorstellbar.

Schon jetzt
entwickelt sich das HDS zu einem lebendigen Zentrum der Beschäftigung mit unserer Sprache und der aktiven Freude an ihr. Es ist kein Kristallisationspunkt für Deutschtümelei oder kulturelle Abschottung, im Gegenteil: Der Vorstand der “Stiftung“ und ihres “Hauses“ ist davon überzeugt, dass sich die Freude an der eigenen Sprache und der pflegliche Umgang mit ihr sehr wohl mit dem Respekt vor anderen Sprachen vertragen. Jede lebende Sprache ist jemandes Muttersprache.

Der Erhalt der Sprachenvielfalt als eines seit jeher tragenden Elements der europäischen Kultur ist unser Anliegen.

 

Allein in der Europäischen Union, unserem großen gemeinsamen Haus, gibt es heute mehr als zwanzig verschiedene Landessprachen – und Muttersprachen noch ein paar mehr. Ihr Umgang miteinander gehört heute zum praktischen Alltag in Europa. Wir respektieren die Sprachen der anderen, und das HDS möchte ein wenig zum Wissen über sie beitragen.

HDS Karte Günter de Bruyn

Dass Deutsch eine international akzeptierte Wissenschaftssprache bleibt oder wieder wird, dass sich unsere Sprache in multi- oder supranationalen Einrichtungen, zum Beispiel der Europäischen Union, endlich die ihr gebührende Geltung verschafft – dieser Wunsch ist nicht selten bei unseren Freunden in der Welt ausgeprägter als bei uns selbst.

Kaum ein anderes Land ist von seinen Außenbeziehungen so geprägt wie Deutschland, nicht nur wirtschaftlich. Nach Russland, Brasilien und China hat Deutschland weltweit die meisten Landesgrenzen. Sie sind heute ausnahmslos offen. Die Nachbarn besuchen, kennen und beobachten uns. Viele bemühen sich schon aus praktischen Erwägungen, wenigstens Grundkenntnisse in der deutschen Sprache zu erwerben. Sie alle, aber auch unsere Partner anderswo in der Welt, schauen darauf, wie viel Achtung wir vor uns selbst haben, was wir zum Erhalt unserer respektierten Wissenschaften, was wir für die Bildung unserer Kinder und die Pflege unseres kulturellen Erbes tun. Dazu gehört immer auch unsere Sprache.

Deutsch ist für unsere ausländischen Partner die Sprache Luthers, Goethes, Schnitzlers, Brechts und Dürrenmatts, aber auch die von Alexander von Humboldt, Gottlieb Daimler, Werner von Siemens, Ferdinand Porsche, Albert Einstein, Joseph Schumpeter, Ferdinand Sauerbruch, Max Planck, Lise Meitner, Otto Hahn, Konrad Zuse und Herbert von Karajan. Die derzeitige Gleichgültigkeit vieler Deutschsprachiger ihrem sprachlichen Erbe gegenüber enttäuscht die, die sich im Ausland gerade deshalb um gute Kenntnisse des Deutschen bemühen, weil sie es für eine wichtige Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftssprache halten. Müssen uns die internationalen Partner daran erinnern, dass, wer sein eigenes Instrument nicht pflegt und perfekt beherrscht, im globalen Orchester keinen geachteten Part spielen kann?

In nur wenigen Ländern der Welt lebt ein höherer Prozentsatz anderssprachiger Einwanderer als bei uns. Deutsch muss von sieben Millionen Menschen oder mehr als Sprache ihrer neuen Heimat akzeptiert und vor allem erlernt werden, im Interesse der alten und dieser neuen Bürger unseres Landes. Sprachliche Ghettos in unseren Städten fördern die verhängnisvolle Entstehung von Parallelgesellschaften. Das Haus der deutschen Sprache wird zwar nicht die zur sprachlichen Integration der Einwanderer erforderlichen Maßnahmen ergreifen können, will aber der Erörterung dieses Themas Raum und Ermutigung bieten.

Das Haus der deutschen Sprache stellt sich also eine ganze Reihe von Aufgaben, allen voran die der Sensibilisierung der Deutschsprachigen selbst, für die derzeit niemand sonst ein in der Tradition, Praxis oder Verfassung der deutschsprachigen Länder verankertes Mandat hat, die aber erfüllt werden müssen.


Cornelius Sommer
Cornelius Sommer †

Am 28. September 2011 verstarb unser Vereinsfreund Dr. Cornelius Sommer nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Die meisten Vereinsfreunde kennen ihn als Organisator unseres Hauses der deutschen Sprache; vorläufig nur virtuell im Internet, soll es nach Dr. Sommers Willen ein echtes Schaufenster für die Schönheiten der deutschen Sprache werden. Sein regelmäßiges „Gedicht des Monats„ war ein erster liebevoller Schritt dorthin. Darüber hinaus war Cornelius Sommer Vorsitzender des Beirates der Stiftung Deutsche Sprache und in dieser Eigenschaft auch Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Ich selbst kenne Cornelius Sommer auch aus unserer gemeinsamen vierjährigen Arbeit in der „Aktion Lebendiges Deutsch„. Zusammen mit Wolf Schneider und Josef Kraus haben wir mit Hilfe vieler Sprachfreunde Monat für Monat einen besonders ärgerlichen Anglizismus eingedeutscht, auf unser Suchwort brainstorming haben uns über 10.000 Vorschläge erreicht. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in dem Buch „Deutsch lebt„ festgehalten, das vor einem Jahr im IFB Verlag erschienen ist. Und auch für das größte aktuelle Projekt des IFB Verlags, die Neuauflage der „Sternstunden der deutschen Sprache„, hat der promovierte Germanist Cornelius Sommer wichtige Beiträge geliefert: Seine Aufsätze über Martin Opitz und Christoph Martin Wieland zeigen ihn als profunden Kenner barocker und klassischer deutscher Literatur.

Im Hauptberuf war Cornelius Sommer aber Diplomat (nach einer kurzen Exkursion als Professor für Germanistik an der University of California). Als wir uns vor einem halben Dutzend Jahren im Berliner Bahnhof Zoo zu unserer ersten Unterredung trafen, kam er gerade aus Königsberg, wo er als Generalkonsul das deutsche kulturelle Erbe dieser alten Preußenstadt in Ehren hielt. Davor hatte er unserem Land als Botschafter in Finnland und in vielen anderen diplomatischen Missionen auf allen Kontinenten – die Antarktis ausgenommen – dieser Welt gedient. Wir verlieren in ihm einen großen Liebhaber wie Kenner der deutschen Sprache gleichermaßen, sein plötzlicher und unerwarteter Tod reißt eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist.

Sein schönstes Denkmal hat sich Cornelius Sommer mit seinem Haus der deutschen Sprache selbst gesetzt. Herr Sommer, ich verspreche Ihnen, wir werden alles tun, damit Ihre Ideale in diesem Haus der deutschen Sprache weiterleben!

Walter Krämer