Axel Hacke: Wortstoffhof

Sprachgeschichten von Äh bis Zeitfenster

Axel Hacke: WortstoffhofMit seinem neuen Buch “Wortstoffhof” macht Axel Hacke einen Versuch in Richtung sprachlicher Nachhaltigkeit und stellt die Ergebnisse jahrelangen Sammeln und Sortierens vor.

Auf dem Wortstoffhof wird – wie der Name vermuten lässt – scheinbar wertloses Sprachmaterial von Hacke auf seine Wiederverwertbarkeit geprüft, damit es gegebenenfalls wieder in den Sprachalltag rückgeführt werden kann. Interessant ist der Ansatz, dass es dabei nicht um abgelegte Standardsprache geht: Hackes Wortstoffhof ist kein Antiquitätenhandel und kein Museum zum Schutz bedrohter Wörter. Vielmehr arbeitet er an den Rändern der Sprache, dort, wo sie das größte innovative Potential hat und wo das sprachliche Archiv erweitert werden kann: “In Wahrheit stehen bei uns, wenn ein Wort ausstirbt, doch gleich zwei neue an der nächsten Straßenecke, und noch im letzten Ich-mach-Dich-Messer-Dialog zweier Neuköllner Türkenjungs steckt mehr von der Kraft des Deutschen als in den Teilnehmern betulicher Sprachhütertagungen.”

Zu selten nutzt Hacke jedoch die Möglichkeiten, die sich ihm hier bieten. Viele seiner Beispiele taugen zwar als Kuriosum, ihr Gebrauchswert geht jedoch selten über reines Amüsement hinaus. So bietet er mehrere heitere Durchgänge durch deutsche Übersetzungen auf Speisekarten in den Touristenhochburgen anderer Länder, befasst sich mit dem mitunter wunderlichen Vokabular der Deutschen Bahn oder freut sich an Brehms graphischer Realisierung von Vogelrufen. Manches ist zwar unterhaltsam, will aber so gar nicht zum Thema passen, wie etwa Hackes Zorn auf all jene, die Handkes “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” für ein Fußballbuch halten.

Dass vor allem die Unterhaltung im Mittelpunkt steht, verwundert bei Hacke freilich nicht und wird von diesem auch bereits im Vorwort bei der Vorstellung des Konzepts erläutert: “Es geht hier um nichts anderes als um den Spaß am Valschen, die Poesie des Irrtuhms, die Freude an der Fehlleistunck – um einen Reichtum also, der erst durch menschliche Schwäche entsteht. Von welch anderem Reichtum könnte man das behaupten?”

Dieser Reichtum ist zwar kurzweilig, aber nicht langlebig. Vieles, was er dem Leser präsentiert, lässt ihn schmunzeln, aber wirklich wiederverwertbar ist nur wenig davon. Und so wird Hacke zwar seinem Titel gerecht, aber nicht unbedingt dem damit verbundenen Anspruch. Der Wortstoffhof ist kein Wertstoffhof.

 FH

Erinnert sei hier an das heitere und lehrreiche Büchlein, mit dem Axel Hacke einem großen Publikum bekannt wurde:
Axel Hacke & Michael Sowa, Der weiße Neger Wumbaba. Kleines Handbuch des Verhörens. München 2004, ISBN 3-88897-367-8, 64 S., 8,90 Euro

 Axel Hacke : Wortstoffhof. München 2008. ISBN 978-3-88897-508-0, 224 S., 16,90 Euro.