Olaus Faber: Das babylonische Handbuch der Sprache.

Von Zungenbrechern, Schwiegermuttersprachen und Freud’schen Versprechern

Olaus Faber: Das babylonische Handbuch der Sprache. Unter den 20 häufigsten deutschen Familiennamen – auf dem Treppchen: Müller, Schmidt, Schneider – gehen wenigstens 16 eindeutig auf traditionelle Berufsbezeichnungen zurück. -Einander zu duzen oder zu siezen: Man kennt das Dilemma. Aber wer erinnert sich – so lang ist’s noch gar nicht her – ans “Erzen”?

Von einer Stiefmuttersprache ist an anderer Stelle im HDS die Rede, doch was “Schwiegermuttersprachen” sind, erfahren wir in diesem Buch.

“Geschlaucht”, “Knast”, “petzen”, kommen, wie “mausetot”, “Schussel” und “pleite”, bei Luther nicht vor. Aus dem Englischen oder Französischen kommen sie auch nicht. Woher dann?

Wo und wann gab es im deutschen Sprachraum “Arbeiterschließfächer” und “Wohnklos mit Küche”? Gab es vor der “babylonischen Verwirrung der Sprachen” wirklich nur eine? – Legasthenie, Jiddisch, Hokuspokus, Flüche, Kurzschrift, Sanskrit, Esperanto, Runen, Baskisch, Eselsbrücken?

Wie kann man so viel und so Vielfältiges über unsere Sprache selbst, über ihre historische Herkunft und sprachgeographische Einbettung vermitteln, ohne ein einschläfernd dickes Buch zu schreiben?

Man verfasse ein Lexikon mir nur 129 Stichworten in alphabetischer Folge, von “Älteste Sprache” bis “Zungenreden”, fasse sich kurz und belege alles mit anschaulichen Beispielen.

Das hat Olaus Faber, Jahrgang 1971, in seinem “Babylonischen Handbuch der Sprache” getan und so ein gleichermaßen unterhaltsames wie lehrreiches, ja ein ideales Geschenkbuch für Sprachinteressierte geschaffen. Bevor Sie zur Geburtstagsfeier aufbrechen, schauen Sie besser nicht hinein. Sie läsen sich unweigerlich fest und kämen zu spät.

 CS

Olaus Faber: Das babylonische Handbuch der Sprache. Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-8218-5832-6, 255 S., 14,95 Euro.