Gedicht des Monats Januar 2010

DER BAUM

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht´s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.

Ein Gedicht über den Baum – passt das zu einem Wintermonat? Ja. Der Baum ist zu jeder Jahreszeit bei uns – in der Natur, in unserem Schatz sinnlicher Erfahrung, als Lieferant wertvoller Werkstoffe und Früchte, als Symbol für Leben, Stärke, Größe, Beständigkeit, als Datenträger für geschnitzte Liebesschwüre (Gedicht des Monats August 2009) und als vielseitig verwendbares Element unseres Denkens und Sprechens in Bildern.

Eugen RothEugen Roth (1895-1976) überbringt uns in diesem Gedicht keinen großen Gedanken, keine neue Entdeckung, eher Altbekanntes. Doch seine artistische Wortknappheit, die Eleganz seiner gereimten Alltagsworte machen die Mahnung eindringlich und einprägsam. Die Verse fänden gut Platz auf den Fahnen oder Anstecknadeln von Naturschutzbünden. Sie könnten auch den Briefkopf von Vereinen zur Sprachpflege zieren und, aktuell, von Gegnern der Rechtschreib- oder der Hochschulreform.

Das ist Eugen Roths Stärke: Worte und Beobachtungen des Alltags mithilfe des Reims so zu fügen, dass eine unerwartete oft witzige Pointe auch da noch herausspringt, wo der Inhalt der Verse durchaus ernst ist:

“Zwei Dinge trüben sich beim Kranken / a) der Urin, b) die Gedanken.“

Oder:

WELTLAUF

Ein Mensch, erst zwanzig Jahre alt,
Beurteilt Greise ziemlich kalt
Und hält sie für verkalkte Deppen,
Die zwecklos sich durchs Dasein schleppen.
Der Mensch, der junge, wird nicht jünger:
Nun, was wuchs denn auf seinem Dünger?
Auch er sieht, daß trotz Sturm und Drang,
Was er erstrebt, zumeist mißlang,
Daß, auf der Welt als Mensch und Christ
Zu leben, nicht ganz einfach ist,
Hingegen leicht, an Herrn mit Titeln
Und Würden schnöd herumzukritteln.
Der Mensch, nunmehr bedeutend älter,
Beurteilt jetzt die Jugend kälter
Vergessend frühres Sich-Erdreisten:
“Die Rotzer sollen erst was leisten!”
Die neue Jugend wiedrum hält …
Genug – das ist der Lauf der Welt!

Zurück zum „Baum“. Wir finden ihn in allerlei Ecken unseres Wortschatzes, mal in wörtlicher, mal in bildlicher Bedeutung, meist mit anderen Wortteilen verfugt.

StammbaumBaumstamm und Stammbaum, Blütenbaum und Baumblüte, sich aufbäumen, baumlang,  Schlagbaum (der steht aber nicht an der Baumgrenze), Baumschule, Baumwolle, Kabelbaum im Auto und Baum der Erkenntnis im Paradies, Baumkuchen, Einbaum auf dem Urwaldsee, Schellenbaum im Spielmannszug, Binärbaum als Datenmodell der Informatik, Mai-, Christ- oder Weihnachtsbaum im Brauchtum. Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wer vor Kraft strotzt, kann Bäume ausreißen.

Schlagbaum(Weniger aggressiv der Historiker Michael Richter, geb.1952: “Ich bin enorm in Form, ich könnte Bäume einpflanzen”.)

Zu jeder mitteleuropäischen Obstsorte haben wir den passenden Baumnamen, etwa den Kirschbaum in Barthold Heinrich Brockes berühmtem Gedicht (siehe unten) oder Bertolt Brechts Pflaumenbaum (beim Gedicht des Monats August 2009).

Apfelbaum: Eine Legende um Martin Luther schreibt ihm den hübschen Satz zu: “Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag ist, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Eine rührende Ballade hat Theodor Fontane (1819-98) über einen Birnbaum geschrieben. Sie beginnt, Vers 1 und 2, mit einem der charmantesten Satzbrüche der deutschsprachigen Lyrik.

HERR VON RIBBECK AUF RIBBECK IM HAVELLAND

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenns Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: “Junge, wiste ne Beer?”
Und kam ein Mädel, so rief er: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ne Birn”.

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: “Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab!”
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen “Jesus meine Zuversicht”.

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
“He is dod nu. Wer giwt uns nu ne Beer?”
So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht!
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn ins Grab er bat;
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtets wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: “Wiste ne Beer?”
Und kommt ein Mädel, so flüsterts: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ne Birn.”

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Eigentlich ist das ein Gedicht über zwei Birnbäume – den zweiten glauben wir dem Dichter um der schönen Pointe willen, lesen nicht nach in den havelländischen Vorschriften zur Grabtiefe und pfeifen auf die Erkenntnisse der Saat-Botanik. Auch das posthume *) Flüstern des Herrn von Ribbeck führt uns ja ins Reich der dichterischen Fantasie, und da ist viel möglich, eigentlich alles.

*) Im Deutschen gibt es, nicht erst seit der Rechtschreibreform, beide Schreibweisen: posthum und postum (engl. und französ. nur mit h). Beides lässt sich rechtfertigen: postumus ist lateinisch “letzter”, humare heißt “beerdigen”.

Kirschbaum. Das Gedicht KIRSCHBLÜTE BEI DER NACHT des Hamburgers Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) kommt, auf den ersten Blick, recht gefühlvoll daher, fast romantisch. Schaut man genauer hin – und der Dichter macht uns nachdenkendes Hinschauen geradezu vor – dann entdeckt man allerlei nüchterne, fast wissenschaftliche Betrachtungen, Zeichen für den Einzug der “Aufklärung“ in Deutschland.

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein.
Ich glaubt’, es könne nichts von größrer Weiße sein.
Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
Ein jeder, auch der kleinste Ast
Trug gleichsam eine rechte Last
Von zierlich-weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,

BrockesIndem daselbst des Mondes sanftes Licht
Selbst durch die zarten Blätter bricht,
Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat,
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
Was Weißers aufgefunden werden.
Indem ich nun bald hin, bald her
Im Schatten dieses Baumes gehe,
Sah ich von ungefähr
Durch alle Blumen in die Höhe
Und ward noch einen weißern Schein,
Der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
Fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
Bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
Von einem hellen Stern ein weißes Licht,
Das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergetze,
Dacht ich, hat Er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

Zu den vertrauten Baum-Arten unserer Breiten kommt in der deutschsprachigen Lyrik schon früh, wenn auch selten, die Palme. Haben die Kreuzfahrer Wort und Bild aus dem Morgenland mitgebracht? Einen noch exotischeren Baum hat Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) seinen Lesern in der Sammlung seiner Orient-Gedichte “Westöstlicher Divan“ vorgestellt. Dabei ging es ihm freilich mehr um das Blatt als um den Baum selbst:

GINGO BILOBA

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gingo-BlattGibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es  e i n  lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als  e i n e s  kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

Bismarck“Mancher meiner Kollegen in Berlin pachtet sich eine sehr teure Jagd, ein anderer versucht sein Glück an der Spielbank. Hiervon treibe ich nichts; dafür bin ich ein Baumnarr”, habe Otto von Bismarck (1815-98) bekannt, schreibt Oberförster Ernst Westphal in seinen Erinnerungen. 1867 schrieb der “Eiserne Kanzler“ an seine Frau: “Ich habe mir mit den Bäumen […] mehr zu sagen als mit den Menschen“.

 

 

Immerhin hatten da bereits einige Dichter zu Bäumen gesprochen, so zum Beispiel Friedrich Hölderlin (1770-1843):

DIE EICHBÄUME

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
HölderlinPflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt` und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Untereinander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

Lebensmut schöpft der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898), indem er zu einem Baum spricht und dessen Schicksal mit dem seinen vergleicht:

DER VERWUNDETE BAUM

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler – hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!

Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

Nikolaus Lenau (1802-1850), aus österreichisch-habsburgischer Familie,

AN EINEN BAUM

Du Baum, so morsch und lebensarm,
So ausgehöhlt, sey mir gegrüßt;
Wie doch dein froher Bienenschwarm
Die Todeswunde dir versüßt!
Baum, wie du morsch und abgedorrt,
Doch Honig birgt dein altes Reis,
So birgt der Weisheit süßen Hort
In seiner Brust der morsche Greis.
Sie wandern fort im raschen Zug,
Sie kehren summend wieder heim
Und bringen dir im Freudenflug
Von fernen Blumen Honigseim.
Und seine muntre Bienenschaar,
Gedanken fliegen aus und ein
Und bringen Honig süß und klar,
Die reiche Beut’ auf Wies’ und Hain;
O Baum, du mahnst mein Herz so schwer
An einen lieben alten Mann;
Gott gebe, kehr’ ich über’s Meer,
Daß ich ihn noch umarmen kann!
Oft locket sie von hinnen weit,
Zu Blumen, die kein Herbst uns raubt,
Der Frühlingshauch der Ewigkeit;
Dann senkt er still sein edles Haupt.

Ob Bismarck nur seinerseits den Bäumen etwas zu sagen hatte oder sie auch ihm, ist nicht überliefert. Eher schweigsam sind sie jedenfalls, die Bäume. In seinem Gedicht „Der Baum“ stellt Georg Heym (1887-1912) eine direkte Frage:

“Woran denkst du, Baum, in der Wetterstunde / Am Rande der Nacht?“

Aber von einer Antwort weiß der Dichter nichts zu berichten. Etwas besser, doch nur ein wenig, erging es Ludwig Uhland (1787-1862). Der hatte komfortabel bei einem „Wirte wundermild“, sprich: “auf weichen, grünen Matten“ unter einem Apfelbaum, genächtigt. Doch das Beste für Uhland, den sparsamen Schwaben, war die stumme Antwort des Wirtes beim Abschied:

Nun fragt’ ich nach der Schuldigkeit,
Da schüttelt er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
Von der Wurzel bis zum Gipfel!

Etwas mitteilungsfreudiger als der einzelne Baum ist, so der Volksmund, der Wald. Denn wie man in den hineinruft, so schallt es heraus.

Ehe man hineinrufen kann, muss man den Wald freilich erst einmal finden. Damit haben manche Leute Schwierigkeiten:

Die Herren dieser Art blendt oft zu vieles Licht,
Sie sehn den Wald vor lauter Bäumen nicht,

hat Christoph Martin Wieland (17333-1813) in seiner Vers-Erzählung “Musarion“ beobachtet (und damit unserer Sprache eine neue Redensart geschenkt).

Überhaupt, die Bäume und der Wald. Das ist nicht so einfach. Der österreichische Schriftsteller Peter Rosegger (1843-1918) in den “Schriften des Waldschulmeisters“: “Nur der Einsame findet den Wald; wo ihn mehrere suchen, da flieht er, und nur die Bäume bleiben zurück.” Und auch Goethe fragt sich noch (erst?) im hohen Alter, ob er zu den Bäumen gehören wolle oder zum Wald:

Wenn in Wäldern Baum an Bäumen,
Bruder sich mit Bruder nähret,
Sei das Wandern, sei das Träumen
Unverwehrt und ungestöret;
Doch, wo einzelne Gesellen
Zierlich miteinander streben,
Sich zum schönen Ganzen stellen,
Das ist Freude, das ist Leben.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist,
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

Diese Verse von Bertolt Brecht (1898-1956) aus dem großen Gedicht “An die Nachgeborenen“ (1939) sind in der finstersten Zeit der Menschheitsgeschichte entstanden. “Ein Gespräch über Bäume“ ist das Unschuldige, das – im ursprünglichen Wortsinn – “Harmlose“. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir es wieder führen dürfen.

P.S. Ein Baum fehlt noch, ein ausgesprochen nützlicher,

DIE BIRKE

Es wächst wohl auf der Heide
Und in des Waldes Raum
Ein Baum zu Nutz und Freude,
Genannt der Birkenbaum.

Die Schuh, daraus geschnitzet,
Sind freundlich von Gestalt.
Wohl dem, der sie besitzet,
Ihm wird der Fuß nicht kalt.

Es ist die weiße Rinde
Zu Tabaksdosen gut,
Als teures Angebinde
Für den, der schnupfen tut. Man zapfet aus der Birke
Sehr angenehmen Wein,
Man reibt sich, daß es wirke,
Die Glatze damit ein.

Dem Birkenreiserbesen
Gebühret Preis und Ehr;
Das stärkste Kehrichtwesen,
Das treibt er vor sich her.

Von Birken eine Rute,
Gebraucht am rechten Ort,
Befördert oft das Gute
Mehr als das beste Wort.

Und kommt das Fest der Pfingsten,
Dann schmückt mir fein das Haus,
Ihr, meine liebsten Jüngsten,
Mit Birkenzweigen aus.

 

Wilhelm Busch (1832-1908)

Zugabe, noch ein Baum, von
Christian Morgenstern (1871-1914; vgl. Gedicht des Monats Februar 2009):

DER PURZELBAUM

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagt: “Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.

Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.” “Je nun”, so sprach ich, “bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns; –
nun, auch für uns besteht der Satz:
wir schießen nicht, es schießt uns.

Auch Wurzeln treibt man nicht so bald,
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.”